Warum Roth für mich besonders war
Vor zwei Wochen habe ich bei der Challenge Roth meinen ersten Langdistanz-Triathlon bestritten. Dass es ausgerechnet Roth wurde, war für mich auf mehreren Ebenen besonders. Zum einen habe ich den Startplatz völlig unverhofft über ein Gewinnspiel bekommen. Zum anderen war für mich schon lange klar, dass wenn ich jemals eine Langdistanz mache, dann nur dort.
Roth ist nicht einfach nur ein Rennen. Der gesamte Landkreis lebt diese Veranstaltung, die Athleten werden eine ganze Woche lang willkommen geheißen und die Atmosphäre rund um das Rennen ist etwas ganz Besonderes. Dieses Miteinander spürt man an jeder Ecke.
Ankunft und Rennwoche
Schon die Anreise hat gezeigt, dass man in Roth für ein paar Tage in eine eigene kleine Welt eintaucht. Mitten auf dem Land, kaum Netz, keine Laufstrecken direkt vor der Tür, dafür Hügel, Straßen und viel Ruhe. Ich war früh da, habe meine Startunterlagen abgeholt und direkt gemerkt, dass dieses Event trotz seiner Größe persönlich bleibt.
Parallel dazu gab es schon die ersten kleinen Rennwoche-Abenteuer, unter anderem die Suche nach einem Campagnolo Schaltzug für das Supporter Gravel Bike meiner Freundin. Eigentlich eine Randgeschichte, aber irgendwie auch typisch für so eine Woche. Man reist nicht nur für den Wettkampf an, sondern lebt mehrere Tage komplett in diesem Ausnahmezustand.
Die letzten Tage vor dem Rennen
Freitag stand dann schon ganz im Zeichen der finalen Vorbereitung. Ich war mit einer Athletin aus meinem Coaching am Anstieg in Greding, um noch einmal an der Technik zu arbeiten, und habe mich selbst dabei auch noch ein wenig aktiviert. Anschließend bin ich mit Sebastian noch in den Rothsee zum Schwimmen, einfach um im Rhythmus zu bleiben und das Wassergefühl zu behalten. Am Abend bin ich noch mit Jannis und Phillip über den Marktplatz von Roth geschlendert. Das waren ruhige, gute Momente mitten in dieser intensiven Woche.
Besonders schön war auch, dass Anja trotz aller Bahnprobleme am Freitagabend noch angekommen ist. Die Deutsche Bahn hat an diesem Tag nicht gerade geglänzt, aber sie hat es trotzdem noch nach Roth geschafft. Am Samstag hieß es dann volle Erholung. Kein Training mehr, nur noch Energie sparen, letzte Wege erledigen und die Stimmung aufnehmen.
Noch einmal über die Messe, Bike Check In, Wechselbeutel abgeben, alles vorbereiten. Anja hat sich am Rouvy-Stand auf dem Smarttrainer versucht und dabei den letzten Hauch von Kreislaufstabilität geopfert, alles für die Chance auf einen Startplatz im nächsten Jahr. Danach ging es mit Line und Steffen noch in die Wechselzone. Jannis war mit Media Pass dabei und hat Aufnahmen gemacht. Dann nur noch heim, Carbo Loading und früh ins Bett.

Der Renntag
Der Renntag begann um 3:00 Uhr. Typisches Triathleten-Frühstück, der wichtige Toilettengang, dann aufs Gelände. Ich war erstaunlich ruhig. Das hat mich selbst fast überrascht. Normalerweise bin ich vor solchen Momenten eher angespannt, aber diesmal war da eine gewisse Klarheit.
Vielleicht war es die Vorfreude, vielleicht die lange Vorbereitung, vielleicht auch einfach der Respekt vor dem, was vor mir lag. Jedenfalls fühlte sich dieser Morgen nicht chaotisch an, sondern kontrolliert. Dazu kam noch der Luxus eines wirklich guten Parkplatzes direkt am Gelände, was an so einem Tag fast schon als kleines Geschenk zählt.
Das Schwimmen
Das Schwimmen war trotz der körperlich nicht maximalen Belastung ein echter Kampf. Über 3,8 Kilometer ging es ständig darum, Linie zu halten, Raum zu verteidigen und nicht unnötig Energie zu verlieren. Ein Schlag gegen die Brille, einer in die Rippen, dazu die üblichen engen Situationen im Feld.
Das gehört in Roth dazu, aber es macht den Start auch direkt sehr ehrlich. Es ist kein ruhiger Einstieg, sondern sofort ein echtes Rennen.
Das Radfahren
Auf dem Rad hat sich dann vieles bestätigt, was ich mir im Vorfeld erarbeitet hatte. 180 Kilometer sind eine enorme Distanz, aber sie fühlten sich überraschend schnell an. Ich war die ganze Zeit beschäftigt mit Fahren, Essen, Trinken, Position halten und Rhythmus finden. Große Gedanken hatte ich nicht. Und das war gut so.
Meine Verpflegung funktionierte perfekt, was auch daran lag, dass ich meine eigene Wettkampfstrategie Software entwickelt habe und damit sehr gezielt planen konnte. Gerade auf dieser Distanz ist das ein entscheidender Punkt. Wenn Ernährung, Belastungssteuerung und Timing zusammenpassen, wird aus einem langen Tag ein kontrollierter Wettkampf.


Der Marathon
Der Wechsel zum Laufen war zügig, aber sofort klar war auch, dass jetzt die eigentliche Prüfung beginnt. Für mich war es der erste Marathon überhaupt. Vorher bin ich maximal 35 Kilometer gelaufen, und selbst das war schon hart.
Die ersten Kilometer liefen noch ordentlich, aber ab etwa Kilometer 8 wurde es ernst. Kilometer 20 war ein Kampf, Kilometer 27 ein Moment, in dem ich mich wirklich durchbeißen musste, Kilometer 33 war Tunnel, Kilometer 38 Verzweiflung und ab Kilometer 40 kam wieder etwas Beflügelung. Der Marathon war genau das, was ich erwartet hatte, und gleichzeitig noch brutaler.
Aber vielleicht ist genau das der Punkt bei einer Langdistanz. Sie zeigt dir sehr direkt, wie weit Körper und Kopf zusammenarbeiten können.
Zieleinlauf und Fazit
Im Ziel war dann alles da, was man sich von Roth erhofft. Gänsehaut, Menschenmassen, Helfer, Support entlang der Strecke und immer wieder bekannte Gesichter. Anja war mehrfach am Streckenrand und kurz vor dem Ziel noch einmal. Das gibt in diesen letzten Minuten unglaublich viel Kraft.
Der Zieleinlauf selbst war ein Moment, den man nicht einfach rational beschreiben kann. Da fällt alles ab. Die Wochen und Monate der Vorbereitung, die Anspannung, die Schmerzen, die Konzentration. Alles wird in einem Augenblick sehr deutlich und gleichzeitig ganz still.
Meine erste Langdistanz habe ich in 10:05:55 Stunden beendet. Nicht in der Zeit, die ich mir insgeheim gewünscht hatte, aber in einer Zeit, mit der ich für ein Debüt sehr zufrieden sein kann. Vor zwölf Jahren hätte ich nicht einmal gewusst, was ein Ironman ist, geschweige denn, wie ich 400 Meter hätte laufen sollen.

Was ich mitgenommen habe
Gleichzeitig hat mir dieses Rennen auch einiges über mich selbst gezeigt. Vor allem hat sich bestätigt, was ich eigentlich schon wusste: Die ganz langen Einheiten nehmen mir eher den Spaß am Sport. Und genau dieser Spaß ist für mich enorm wichtig. Deshalb werde ich mich sportlich wieder mehr auf meine eigentlichen Stärken auf den kürzeren Distanzen konzentrieren.
Dazu kommt, dass die Vorbereitung auf so eine Langdistanz neben allem anderen im Leben sehr viel Zeit verlangt. Ich habe gelernt, dass ich immer nur mit der Zeit arbeiten kann, die ich tatsächlich entbehren kann. Genau dort lag die eigentliche Herausforderung. Die Verantwortung bestand darin, diese Zeit so effizient wie möglich zu nutzen, damit am Wettkampftag ein richtig guter Tag möglich wird.
Für mich ist klar geworden, dass man keine 15 oder 20 Stunden pro Woche braucht, um eine Langdistanz vernünftig zu bestreiten. Es geht auch mit weniger, aber nur dann, wenn man mit Köpfchen arbeitet.
Was das fürs Coaching bedeutet
Diese Erfahrung ist auch für mein Coaching sehr wertvoll. Wir haben alle nur eine begrenzte Zeit, und die Verantwortung liegt darin, diese so sinnvoll wie möglich einzusetzen. Das gilt nicht nur für Training, sondern auch für Erholung, Alltag und Belastungssteuerung.
Ich habe in diesem Prozess auch gelernt, dass man nicht an jedem Tag alles geben kann. Manchmal muss man ganz klar sagen: heute nicht. Genau das ist keine Schwäche, sondern oft die Voraussetzung dafür, langfristig gut zu trainieren.
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Drei Tage Muskelkater, zwei Zehen, die ich am liebsten direkt los gewesen wäre gehörten auch dazu. Aber all das war es wert. Nicht nur wegen des Rennens selbst, sondern wegen des Weges dorthin, der Menschen, die dabei waren, und der Erkenntnisse, die ich mitgenommen habe.
Challenge Roth war für mich nicht einfach nur ein Rennen. Es war ein Erlebnis mit besonderer Atmosphäre, ein sportlicher Meilenstein und eine Erfahrung, die mir in vielerlei Hinsicht gezeigt hat, was für mich im Sport wirklich wichtig ist.